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Rhiz­arthrose: Schiene, Spritze oder Operation?

7. Oktober 2026 5 min Lesezeit OA Dr. Philipp Reb, MSc

Der Deckel vom Marmeladeglas geht nicht mehr auf, der Schlüssel sticht beim Umdrehen im Daumen. Wer mit einer Rhizarthrose in meine Ordination kommt, will meistens zuerst eines wissen: Muss das operiert werden?

Nicht als Erstes. Die Behandlung der Arthrose im Daumen­sattel­gelenk läuft in Stufen ab, und die Operation steht am Ende. Wie die Erkrankung entsteht und woran Sie sie erkennen, lesen Sie auf meiner Seite zur Rhizarthrose. Hier geht es um die Entscheidung danach: was die Schiene bringt, was die Spritze, und wann der Eingriff die bessere Wahl ist.

Erst konservativ, dann operativ

Die europäische Rheumaliga EULAR hat ihre Empfehlungen zur Handarthrose 2018 überarbeitet. Darin stehen Schiene, Übungen und Schmerzmittel zum Auftragen an erster Stelle. Eine Operation kommt in Betracht, wenn das alles die Schmerzen nicht ausreichend lindert. So gehe ich auch vor. Wie weit der Knorpel abgebaut ist, zeigt das Röntgen, Ergüsse und Weichteile sehe ich im Ultraschall. Daraus ergibt sich, auf welcher Stufe wir beginnen.

Stufenplan

Von der Schiene bis zur Operation

Wie die Behandlung einer Rhizarthrose aufgebaut ist.

  1. Stufe 1

    Schiene und Alltag

    Daumenorthese, Übungen, Greifhilfen und Schmerzgel. Die Basis jeder Behandlung.

  2. Stufe 2

    Infiltration

    Cortison, Hyaluronsäure oder Eigenblut (PRP), ultraschallgezielt ins Gelenk.

  3. Stufe 3

    Operation

    Wenn Stufe 1 und 2 nicht mehr reichen. Tagesklinisch, in Regional­anästhesie.

  4. Danach

    Nachbehandlung

    Je nach Eingriff Daumenorthese und Ergotherapie. Die Belastung gebe ich schrittweise frei.

Stufe 1: Was die Schiene wirklich bringt

Eine Daumenorthese stabilisiert das Sattelgelenk und kann die Schmerzen bei Belastung verringern. Die EULAR empfiehlt sie bei Rhizarthrose ausdrücklich, und zwar über längere Zeit. Warum, zeigt eine Übersichtsarbeit aus 2019 mit zwölf Studien: Nach wenigen Wochen war noch kein Effekt messbar. Nach drei bis zwölf Monaten waren die Schmerzen deutlich geringer und die Hand besser zu gebrauchen. Zwei Wochen sind für eine Schiene also zu kurz, um sie zu beurteilen.

Dazu kommen Übungen für Kraft und Beweglichkeit, am besten angeleitet in der Ergotherapie, und Hilfsmittel für den Alltag: ein Deckelöffner, dickere Griffe an Stift und Messer. Gegen die Schmerzen rät die EULAR zuerst zu einem entzündungs­hemmenden Gel. Tabletten kommen danach und nur für begrenzte Zeit in Frage.

Stufe 2: Die Spritze ins Gelenk

Reicht das nicht, kann eine Infiltration helfen. Ich setze sie ultraschallgezielt, damit das Mittel im schmalen Gelenkspalt ankommt.

Cortison (Schmerz­therapie)
Wirkt entzündungshemmend, meist innerhalb weniger Tage. Sinnvoll, wenn das Gelenk akut gereizt ist.
Hyaluronsäure (Knorpel­therapie)
Ergänzt die Gelenkflüssigkeit. Die Wirkung ist nicht dauerhaft, kann aber mehrere Monate anhalten.
Eigenblut (PRP)
Körpereigene Wachstumsfaktoren aus einer Blutprobe. Die Wirkung baut sich über Wochen auf, üblich sind 3 bis 5 Sitzungen.

Die Studienlage zu diesen Spritzen ist uneinheitlich. Eine Auswertung von neun Studien mit 504 Patientinnen und Patienten fand 2019 kein Mittel, das den anderen klar überlegen war. Auch die Fach­gesellschaften urteilen verschieden: Die EULAR ist bei Cortison an der Hand zurückhaltend, die amerikanische Fachgesellschaft ACR hält es für vertretbar. Rückgängig machen kann die Arthrose keine dieser Spritzen. Ziel ist, dass Sie über Monate mit weniger Schmerzen greifen können. Welches Mittel bei Ihnen in Frage kommt, entscheide ich nach dem Befund.

Stufe 3: Wann eine Operation sinnvoll ist

Operiert wird, wenn das Gelenk deutlich verschlissen ist und Schiene und Infiltration die Schmerzen nicht mehr ausreichend lindern. Sie haben die konservative Behandlung dann ernsthaft versucht, und der Daumen schränkt Sie im Alltag trotzdem deutlich ein.

Eine Cochrane-Auswertung von elf Studien fand kein Operations­verfahren, das den anderen bei Schmerz und Funktion überlegen wäre. Die Wahl richtet sich deshalb nach Befund, Beruf und dem, was Sie mit der Hand vorhaben.

Resektions­arthro­plastik
Der Standardeingriff. Ich entferne das verschlissene große Vieleckbein und hänge den Daumen mit einer körpereigenen Sehne neu auf. Die Griffkraft baut sich über mehrere Monate wieder auf.
Gelenksersatz (Prothese)
Ein künstliches Gelenk erhält Länge und Beweglichkeit des Daumens. In Studien kehrt die Kraft in den ersten Monaten schneller zurück. Dafür gibt es implantatbedingte Risiken wie eine Lockerung, und wie lange moderne Daumenprothesen halten, ist über Jahrzehnte noch nicht belegt.
Denervierung
Ich durchtrenne nur die schmerzleitenden Nervenäste, das Gelenk selbst bleibt unberührt. Die Wirkung kann langfristig nachlassen.
Arthrodese
Das Gelenk wird versteift. Es ist danach stabil und voll belastbar, an dieser Stelle aber nicht mehr beweglich.

Krankenstand: Wie lange Sie nach der Operation ausfallen

Alle vier Eingriffe führe ich tagesklinisch durch, Sie gehen am selben Tag nach Hause. Nach einer Denervierung rechnen Sie mit etwa 2 Wochen, nach Resektions­arthro­plastik, Gelenksersatz und Arthrodese mit 6 bis 8 Wochen. Das sind Richtwerte. Am Schreibtisch sind Sie früher zurück als in einem handwerklichen Beruf.

Wann Sie nicht länger zuwarten sollten

Ein fortgeschrittener Knorpelverlust kann die Behandlungs­möglichkeiten einschränken.

Lassen Sie abklären bei:

  • Schmerzen an der Daumenwurzel, die beim Greifen oder Drehen regelmäßig auftreten
  • nachlassender Kraft im Daumen, etwa beim Öffnen einer Flasche
  • sichtbarer Schwellung oder Verformung am Daumen­sattel­gelenk
  • Beschwerden, die trotz Schiene über Monate bleiben

"Mit einer leichten bis mittleren Rhizarthrose lässt sich konservativ oft gut leben. Wenn es doch eine Operation braucht, sollen Sie vorher wissen, was jedes Verfahren für Ihren Alltag bedeutet."

– OA Dr. Philipp Reb, MSc

OA Dr. Philipp Reb, MSc

Auf welcher Stufe Ihr Daumen steht, klären wir in der Erstordination mit Untersuchung und Ultraschall. Haben Sie bereits eine OP-Empfehlung und möchten eine zweite Einschätzung, ist eine Zweitmeinung möglich. Falls ein Eingriff ansteht: Warum sich der Herbst dafür anbietet, steht im Beitrag zur OP-Planung.