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Morbus Dupuytren: Wenn sich die Finger langsam krümmen

2. November 2026 5 min Lesezeit OA Dr. Philipp Reb, MSc

Ein kleiner Knoten in der Handfläche tut meist nicht weh und bleibt deshalb oft lange unbemerkt. Auffällig wird er, wenn ein Finger beim Händeschütteln oder beim Anziehen von Handschuhen nicht mehr ganz mitmacht.

Dahinter kann ein Morbus Dupuytren stecken, eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes. Weltweit betrifft sie etwa acht Prozent der Menschen5.

Legen Sie die Hand flach auf den Tisch

Der Tischtest

Legen Sie die Hand mit der Handfläche nach unten auf eine Tischplatte.

Unauffällig: Handfläche und alle Finger liegen flach auf.

Positiv: Ein Finger oder ein Teil der Handfläche bleibt in der Luft.

Lässt sich die Hand nicht mehr flach auflegen, gilt das in der Fachliteratur als Hinweis, dass eine Operation sinnvoll sein kann7.

Was in der Handfläche passiert

Unter der Haut der Hohlhand liegt eine Bindegewebs­platte, die Palmar­aponeurose. Beim Morbus Dupuytren verdickt sie sich nach und nach1. Es bilden sich Knoten und Stränge, die den Finger in die Beugung ziehen. Für den Verlauf gibt es mehrere Einteilungen, eine davon stammt von Iselin1:

  1. Stadium 1

    Knoten in der Hohlhand, der Finger lässt sich noch strecken

  2. Stadium 2

    Beugung im Finger­grundgelenk

  3. Stadium 3

    Beugung im Grund- und Mittelgelenk

  4. Stadium 4

    Starke Beugung, das Endglied des Fingers ist überstreckt

Am häufigsten betroffen sind Ring- und Kleinfinger7. Der erste Knoten kann anfangs schmerzen und wird mit der Zeit meist schmerzlos7.

Wen es trifft

Männer erkranken drei- bis viermal so häufig wie Frauen1, 2, und mit dem Alter steigt das Risiko deutlich1. Den größten Anteil hat die Veranlagung: In einer dänischen Studie mit 30.330 Zwillingspaaren gingen rund 80 Prozent der Unterschiede im Erkrankungsrisiko auf die Gene zurück6. Häufiger tritt Dupuytren außerdem bei Diabetes, Leber­erkrankungen und erhöhtem Alkoholkonsum auf, ebenso nach mehr als 15 Jahren Arbeit mit vibrierenden Werkzeugen1. Im Gespräch frage ich deshalb, ob Eltern oder Geschwister ähnliche Knoten in der Hand haben.

Solange der Finger gerade wird, darf man zuwarten

In frühen Stadien, wenn sich die Finger noch vollständig strecken lassen, braucht es häufig keine Behandlung. Ich kontrolliere die Hand dann regelmäßig und achte darauf, ob die Streckfähigkeit nachlässt. Beginnt die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr, verläuft sie oft ungünstiger2.

Für die Diagnose reicht meist die klinische Untersuchung. Ich taste Knoten und Stränge ab, prüfe, wie weit sich jeder Finger strecken lässt, und mache den Tischtest. Ein Ultraschall kann zusätzlich zeigen, wie weit die Stränge reichen.

Ab wann eine Operation sinnvoll ist

Wann operiert wird, hängt vor allem davon ab, wie sehr Sie der gebeugte Finger im Alltag einschränkt1. Als Richtwert nennt die Fachliteratur eine Beugung ab etwa 20 bis 30 Grad1.

Die Fasziektomie ist die am häufigsten durchgeführte Operation und gilt als Goldstandard1, 2. Dabei entferne ich das verdickte Bindegewebe aus der Hohlhand, damit sich die Finger wieder strecken lassen. Langfristig schneidet sie besser ab als die weniger invasiven Verfahren, also die Nadelbehandlung und die Kollagenase-Spritze4. In einer finnischen Studie mit 302 Patientinnen und Patienten war die Behandlung nach zwei Jahren bei 78 Prozent der Operierten noch erfolgreich, nach Nadelbehandlung bei 50 und nach Kollagenase bei 65 Prozent3. Als Erfolg galt, wenn sich die Beugung um mehr als die Hälfte verringert hatte und die Betroffenen ihren Zustand als akzeptabel einstuften.

Der Eingriff erfolgt tagesklinisch, Sie gehen also am selben Tag nach Hause. Mit Bewegungsübungen für die Finger beginnen wir meist schon wenige Tage danach, die Erholung dauert in der Regel sechs bis acht Wochen. Wie die Nachbehandlung in Ihrem Fall aussieht, bespreche ich vor der Operation mit Ihnen.

Weil der Eingriff planbar ist, lässt er sich gut in die ruhigeren Wintermonate legen, mehr dazu im Beitrag zur OP-Planung für den Winter. Wenn Sie bereits eine OP-Empfehlung haben und unsicher sind, können Sie eine Zweitmeinung einholen.

Kann der Dupuytren wiederkommen?

Das kommt vor, denn Morbus Dupuytren ist nicht heilbar, aber gut behandelbar1. Fachleute zählen ein Wiederauftreten zum natürlichen Verlauf der Erkrankung und werten es nicht als Komplikation der Operation1. Wie häufig das passiert, schwankt je nach Studie stark. Eine Übersichtsarbeit nennt 12 bis 73 Prozent nach fünf Jahren1, eine aktuelle deutsche Übersicht rund 21 Prozent2.

Das Risiko ist höher, wenn Dupuytren in der Familie vorkommt, beide Hände betroffen sind oder die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr begonnen hat. Ähnliche Knoten an der Fußsohle (Morbus Ledderhose) und Verdickungen über den Fingerknöcheln sprechen ebenfalls dafür1. Regelmäßige Kontrollen nach der Operation helfen, ein Fortschreiten früh zu erkennen.

"Der Morbus Dupuytren ist nicht gefährlich, kann aber die Handfunktion spürbar einschränken. Mir ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt für eine Behandlung gemeinsam mit Ihnen zu bestimmen."

– OA Dr. Philipp Reb, MSc

OA Dr. Philipp Reb, MSc

Wenn Sie einen Knoten in der Handfläche bemerken, lassen Sie ihn ansehen, auch wenn er nicht stört. Je früher ich die Hand kenne, desto besser lässt sich der Verlauf einschätzen.

Quellen

  1. Ruettermann M, Hermann RM, Khatib-Chahidi K, Werker PMN. Morbus Dupuytren – Ätiologie und Behandlung. Deutsches Ärzteblatt 2021; 118: 781-788. doi:10.3238/arztebl.m2021.0325
  2. Harbrecht A, Honigmann P, Löw S, Müller LP, Unglaub F, Spies CK. Morbus Dupuytren: Epidemiologie, Diagnose, Therapie, Outcome. Die Orthopädie 2024; 53(11): 893-902. doi:10.1007/s00132-024-04553-z
  3. Räisänen MP, Leppänen OV, Soikkeli J, et al. Surgery, Needle Fasciotomy, or Collagenase Injection for Dupuytren Contracture: A Randomized Controlled Trial. Annals of Internal Medicine 2024; 177(3): 280-290. doi:10.7326/M23-1485
  4. Nann S, Kovoor J, Fowler J, et al. Surgical Management of Dupuytren Disease: A Systematic Review and Network Meta-analyses. Hand (N Y) 2024; 19(8): 1283-1292. doi:10.1177/15589447231174175
  5. Salari N, et al. The worldwide prevalence of the Dupuytren disease: a comprehensive systematic review and meta-analysis. Journal of Orthopaedic Surgery and Research 2020. doi:10.1186/s13018-020-01999-7
  6. Larsen S, et al. Genetic and environmental influences in Dupuytren's disease: a study of 30,330 Danish twin pairs. Journal of Hand Surgery (European Volume) 2015; 40(2): 171-176.
  7. Steinberg DR. Dupuytren-Kontraktur. MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise, aktualisiert April 2025. msdmanuals.com