Medizinisch geprüftDie medizinischen Inhalte dieser Seite wurden von OA Dr. Philipp Reb, MSc geprüft.
Sommer, Sport und Stürze: Handgelenksbrüche bei Rad-, Wander-, Boulder- und Klettersportlern
Der Sommer zieht viele nach draußen: aufs Rad, an den Fels, in die Kletterhalle, auf den Berg. Mit der Bewegung im Freien steigt in meiner Ordination auch die Zahl der Handverletzungen. Fast immer steckt derselbe Moment dahinter: der Sturz auf die Hand.
Ob Rennrad, Mountainbike, Boulderblock, Kletterwand oder Wanderweg: Die Sportarten unterscheiden sich, der Verletzungsmechanismus ist oft gleich. Wer stürzt, streckt die Hand reflexartig aus, und das Handgelenk fängt die volle Wucht ab. Als Wahlarzt mit Schwerpunkt Hand, Ellenbogen und Sportmedizin sehe ich die Folgen in den Sommermonaten besonders oft.
Warum das Handgelenk beim Sturz zuerst leidet
Sich abzufangen ist ein Reflex, den niemand bewusst steuert. Kippt der Körper nach vorne, geht die Hand nach unten, und der Aufprall läuft über die Handwurzel in Speiche und Elle. Beim Radsturz kommt das Tempo dazu, beim Bouldern die Fallhöhe auf die Matte, beim Klettern der Pendelschwung gegen die Wand. Je nach Winkel und Härte des Aufpralls bricht ein Knochen, reißt ein Band oder staucht sich das Gelenk.
Was bei welcher Sportart passiert
- Radsport
- Der Sturz über den Lenker trifft die vorgestreckte Hand zuerst, oft bei hohem Tempo. Neben dem Handgelenksbruch sehe ich Prellungen der Handwurzel. Wer sich lange und fest auf den Lenker stützt, kennt vielleicht ein Kribbeln in Ring- und Kleinfinger, die sogenannte Radfahrerlähmung. Sie entsteht durch anhaltenden Druck auf einen Nerv in der Handkante.
- Bouldern
- Hier fehlt das Seil. Der Sprung oder Sturz aus zwei bis drei Metern endet auf der Matte, bei unkontrolliertem Absprung nicht selten auf Hand oder Handgelenk. Typisch sind Stauchungen und Brüche der Handwurzel.
- Klettern am Seil
- Der Pendelsturz drückt Hand und Ellenbogen gegen den Fels. Dazu kommt die hohe Belastung der Finger an kleinen Griffen. Eine Ringbandverletzung am Finger macht sich durch einen stechenden Schmerz bemerkbar, manchmal begleitet von einem hörbaren Knacken.
- Wandern
- Wandern gilt als gemütlich, und genau das täuscht. Die meisten Verletzungen sehe ich beim Abstieg, wenn die Beine müde werden. Ein Tritt auf Geröll oder eine nasse Wurzel genügt zum Stolpern. Wer fällt, fängt sich mit der Hand ab, und wieder trifft es das Handgelenk. Dazu kommt ein Punkt, den viele unterschätzen: Steckt die Hand beim Sturz in der Schlaufe des Wanderstocks, knickt der Daumen weg. Das überdehnt das Band am Daumengrundgelenk oder reißt es, ähnlich wie beim Skidaumen.
Der Handgelenksbruch (distale Radiusfraktur)
Der Bruch der Speiche nahe am Handgelenk ist die häufigste Fraktur überhaupt. Typisch sind Schwellung, eine sichtbare Fehlstellung und Schmerz bei jeder Bewegung. Dieser Knochenbruch gehört immer ärztlich abgeklärt. Heilt er in Fehlstellung, bleibt das Handgelenk oft steif oder kraftlos, und das lässt sich später nur schwer korrigieren.
Das Kahnbein: der Bruch, der gern übersehen wird
Ein Knochen verdient besondere Vorsicht. Das Kahnbein sitzt in der Handwurzel unter dem Daumen. Ein Bruch tut anfangs oft nur mäßig weh, deshalb halten ihn viele für eine Prellung und warten ab. Genau das ist heikel: Bleibt ein Kahnbeinbruch unbehandelt, heilt er schlecht, und die Beschwerden können über Jahre bleiben. Denselben Mechanismus, den Sturz auf die ausgestreckte Hand, beschreibe ich auch im Beitrag zu den Hand- und Ellenbogenverletzungen beim Fußball.
Soforthilfe nach dem Sturz
Direkt nach der Verletzung hilft die bewährte PECH-Regel: Pause (Belastung sofort stoppen), Eis (kühlen, aber nie direkt auf der Haut), Compression (leichter Druckverband) und Hochlagern. Das hält die Schwellung klein und überbrückt die wichtige Zeit bis zur ärztlichen Abklärung.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Eine Prellung heilt von selbst. Aufmerksam werden sollten Sie jedoch bei den folgenden Anzeichen, dann gehört die Verletzung ärztlich abgeklärt:
Lassen Sie abklären bei:
- starker Schwellung am Hand- oder Fingergelenk
- einer sichtbaren Fehlstellung
- Schmerzen, die über mehrere Tage nicht nachlassen
- eingeschränkter Beweglichkeit von Hand und Fingern
- Verdacht auf einen Kahnbeinbruch: lieber einmal zu viel kontrollieren als eine Fraktur übersehen
Diagnose und Behandlung
In der Ordination beurteile ich mit der Ultraschalldiagnostik Sehnen, Bänder und Gelenke direkt und ohne Strahlung. So klärt sich rasch, ob ein Bruch, eine Bandverletzung oder eine Reizung dahintersteckt, und welche Behandlung zu Ihrer Verletzung passt. Bei Sportlerinnen und Sportlern zählt jeder Tag bis zur Rückkehr an Rad, Fels oder Wand. Diesen Anspruch bringe ich in jede Behandlung ein, unabhängig vom sportlichen Niveau.
"Ob am Rad, am Fels oder in der Kletterhalle: Der Sturz auf die ausgestreckte Hand ist im Sommer einer meiner häufigsten Fälle. Wer die Warnzeichen kennt und rasch abklären lässt, bewahrt sein Handgelenk vor bleibenden Schäden."
– OA Dr. Philipp Reb, MSc
Wenn Sie nach einem Sturz unsicher sind, wie ernst die Verletzung ist, vereinbaren Sie gerne einen Termin. Für frische Sportverletzungen halte ich gerade in der Urlaubszeit kurzfristige Akuttermine frei.