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Karpal­tunnel­syndrom: Wenn die Hand nachts einschläft

9. September 2026 5 min Lesezeit OA Dr. Philipp Reb, MSc

Es fängt harmlos an. Die Hand kribbelt nachts, Sie schütteln sie aus, drehen sich um. Irgendwann reicht das Schütteln nicht mehr.

Drei Uhr nachts, schon wieder

So erzählen es die meisten, die deswegen in meine Ordination in Wien kommen. Ein Kribbeln in den Fingern, vor allem Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Anfangs nur nachts. Dann öfter. Viele gewöhnen sich monatelang daran, bevor sie einen Arzt aufsuchen.

Hinter dem Kribbeln steckt ein eingeklemmter Nerv am Handgelenk. Der Medianusnerv verläuft durch einen engen Kanal, den Karpaltunnel. Schwillt das Gewebe drumherum an, wird es dort zu eng. Der Nerv gerät unter Druck, und Sie spüren das als Kribbeln, Taubheit oder das Gefühl, die Hand sei eingeschlafen. Eine ausführliche Erklärung der Ursachen und Anzeichen finden Sie auf meiner Seite zum Karpal­tunnel­syndrom.

"Das geht schon wieder weg"

Der häufigste Satz beim Erstgespräch. Stimmt aber meistens nicht.

Ein Karpal­tunnel­syndrom verschwindet selten von selbst. Es gibt ruhigere Phasen, aber der Engpass bleibt. Und je länger der Nerv unter Druck steht, desto schwieriger wird es, den Schaden rückgängig zu machen. Im fortgeschrittenen Stadium baut sich die Muskulatur am Daumenballen ab. Dieser Muskelschwund lässt sich nicht immer vollständig umkehren.

Noch zwei Annahmen, die mir oft begegnen:

"Betrifft nur Leute am Computer." Nein. Hormonelle Veränderungen, Schwangerschaft, Schilddrüsen­probleme, Diabetes. Auch Handwerker und Sportler sitzen in meinem Wartezimmer.

"Ich bin zu jung dafür." Am häufigsten zwischen 40 und 60, aber ich sehe regelmäßig Patienten in den Dreißigern. In der Schwangerschaft tritt es oft im letzten Trimester auf.

Was Sie selbst tun können

Eine Nachtschiene aus der Apotheke hält das Handgelenk ruhig und kann das nächtliche Kribbeln lindern. Taping sehe ich häufiger, bringt aber weniger als viele hoffen, weil es das Handgelenk nicht stabil genug fixiert. Kühlen und Pausen helfen bei leichten Beschwerden.

Zur Überbrückung ist das in Ordnung. Wenn die Taubheit trotzdem bleibt oder die Kraft im Daumen nachlässt, reichen diese Maßnahmen nicht mehr.

Abwarten oder operieren?

Nicht jedes Karpaltunnelsyndrom muss operiert werden. Bei leichten Beschwerden beginne ich konservativ: Nachtschiene, manchmal eine Infiltration. Oft reicht das.

Eine Operation wird sinnvoll, wenn die Beschwerden über Wochen bleiben, die Taubheit auch tagsüber nicht weggeht oder Ihnen Gegenstände aus der Hand fallen. Dann bringt Abwarten keinen Vorteil. Je länger ein Nerv komprimiert bleibt, desto langsamer erholt er sich nach dem Eingriff. Oder gar nicht vollständig.

Wenn Sie unsicher sind, ob bei Ihnen eine Operation nötig ist, kommen Sie in die Erstordination. Ich untersuche die Hand, mache einen Ultraschall, und meistens steht die Diagnose noch am selben Tag. Wer bereits eine OP-Empfehlung hat und eine zweite Einschätzung möchte, kann eine Zweitmeinung einholen.

Wie die Operation abläuft

In meiner Ordination in Wien (19. und 23. Bezirk) biete ich zwei Verfahren an.

Ultra­schall­gezielte Karpal­tunnel­spaltung
Das einengende Band, das Retinaculum flexorum, wird unter Ultraschall­kontrolle minimalinvasiv durchtrennt. Örtliche Betäubung, etwa eine Viertelstunde, Sie gehen danach nach Hause.
Offene Karpal­tunnel­spaltung
Ein kleiner Schnitt in der Beugefalte, das Band wird unter direkter Sicht durchtrennt. Etwas größerer Zugang, dafür volle Übersicht über die Strukturen. Auch dieser Eingriff ist ambulant und unter lokaler Betäubung.

Welches Verfahren in Frage kommt, hängt vom Befund ab.

Die Zeit danach

Verband statt Gips. Finger bewegen ab dem ersten Tag.

Büroarbeit
Viele Patienten sitzen nach wenigen Tagen wieder am Schreibtisch.
Autofahren
Meistens nach ein bis zwei Wochen, sobald Sie sicher zugreifen können.
Handwerk, Pflege, körperliche Arbeit
Rechnen Sie mit vier bis sechs Wochen.
Schmerzen
Ein Druckschmerz an der Narbe ist anfangs normal, das nennt man Pillar Pain. Klingt über die Wochen ab. Schmerzen, die stärker werden statt besser, gehören abgeklärt.

Das nächtliche Kribbeln? Bei den meisten Patienten schon am ersten Abend nach der OP weg.

Sie wollen Ihre Ausfallzeit genauer einschätzen? In der Erstordination bespreche ich das anhand Ihrer beruflichen Situation.

Warum der Herbst sich anbietet

Wenn Sie wissen, dass die Hand behandelt werden sollte: Jetzt planen. Die Erholung fällt in den ruhigeren Herbst, kein Verband bei 30 Grad. Wer im Oktober operiert wird, hat zur Skisaison wieder eine voll belastbare Hand.

"Wer Monate mit tauben Fingern lebt, tut seinem Nerv keinen Gefallen. Ein Karpal­tunnel­syndrom ist gut behandelbar, aber der Zeitpunkt spielt eine Rolle."

– OA Dr. Philipp Reb, MSc

OA Dr. Philipp Reb, MSc

Wenn Ihre Hand nachts regelmäßig einschläft, lassen Sie die Ursache abklären. Eine Untersuchung gibt Klarheit, und falls eine Operation sinnvoll ist, sprechen wir über den Ablauf und den richtigen Zeitpunkt.